Haze Review / Test

Simon Lutstorf, 22. Juni 2008 10:46 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Dass sich Soldaten im Krieg mit Drogen zudröhnen, ist nichts Neues. Man denke an Vietnam oder Kindersoldaten in Afrika. Dass die bewusstseinserweiternden Substanzen aber von ganz oben verschrieben werden – das ist neu. Nektar heisst der gute Stoff, der Soldaten nicht nur hörig macht, sondern ihnen auch ungeahnte Fähigkeiten verleiht, üble Nebenwirkungen mit inbegriffen. Willkommen im Jahr 2048 – willkommen bei Haze.


Ja es ist endlich da, das kontroverse Haze. Machte es kurz nach seiner Ankündigung noch mit guten Nachrichten und überzeugenden Screenshots von sich reden, war es in den letzten Monaten vor allem aufgrund von widersprüchlichen Aussagen seitens Publisher (Ubisoft) und Entwickler (Free Radical Design) im Gespräch. Zuerst sollte Haze PS3 exklusiv sein; dann wiederum nicht; dann doch wieder; eventuell aber doch nicht. Tatsache ist, dass Haze vorerst nur für die PS3 erschienen ist und es keine Bestätigung für eine Xbox 360 oder gar PC Version gibt.

Düstere Zukunft


Mit DER ollen Flinte gegen eine Luftlandeeinheit?
“After we got high on Nectar, shit got totally out of controll.”

dem Ofen hervor zu holen. Stattdessen bietet das Game gewohnte Kost: Klassische Shooter-Action, durchschnittliches Waffenarsenal, die mittlerweile obligatorischen Ausflüge in der Third-Person-Perspektive wie man sie aus Titeln wie Far Cry und Halo kennt. Erstaunlich komplex gestaltet sich die Steuerung, in welche man mittels eines eingebauten Tutorials im ersten Level eingeführt wird. Sogar Doppelbelegungen auf dem PS3 Controller kommen vor. Das verlängert natürlich die Einarbeitungszeit, macht aber aus Haze noch kein schlechtes Spiel. Zumal die meisten Kommandos mit der Zeit trotzdem ins Blut übergehen und die Controlls alles in allem recht gut gelöst sind.
Tönt eher durchschnittlich bisher? Ist es auch. Doch so richtig spannend wird es erst nach ein paar Missionen. Dann nimmt die Geschichte rund um Shane Carpenter plötzlich eine neue, drammatische Wendung. Nur soviel sei erwähnt: Euer früherer Auftraggeber ist nun euer Gegner. Anstatt also im gelben Mantel-Panzer Rebellen zu jagen, schiesst ihr nun auf eure Ex-Kollegen. Genaueres sei an dieser Stelle nicht verraten. Tatsache ist aber, dass das Game durch diese Wendung enorm an Schwung gewinnt. Dies auch, weil einen als Rebell in Punkto Gameplay neue Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Dies ist auch bitter nötig um gegen die schwer bewaffneten Nektar-Junkies anzukommen…

Realer, schneller, komplexer
Erscheint einen Haze in den ersten Levels wie eine bekiffte Partie Halo, ändert sich der Look mit dem Seitenwechsel. Plötzlich scheint das Blut sichtbarer, die Missionen komplexer, die Taktiken abwechslungsreicher. Man bastelt mit Freude Nektar-Granaten, stellt sich tot und fällt den Söldnern in den Rücken und erfüllt knackige Missionsziele. Durch die schiere Übermacht der Mantels muss man als Rebell deutlich kreativer sein. Inwiefern die Gamedesigner den Wechsel geplant haben, kann man kaum nachvollziehen – sicher ist aber, dass aus Haze mit der Zeit ein richtig spannender Shooter wird, der durchaus auch kreative Elemente mit auf den Tisch bringt. Man sprengt strategisch wichtige Lager, flieht auf verschiedenen Fahrzeugen, lässt Brücken einstürzen oder kümmert sich liebevoll um die Nektarvorräte der Gelben.

Welcome to the Jungle.

Leider haben es die Entwickler aber auf der ganzen Linie verpasst, dem Spiel eine brauchbare KI zu implementieren. Sowohl Feind als auch Freund kämpft unbeholfen, steht öfter mal im Weg und nervt. Spannend wäre es auch gewesen, im Rebellenlager so etwas wie ein gemeinsamer Kampfgeist zu entdecken, Leute kennen zu lernen, halt die familiäre Atmosphäre eines kleinen Camps zu erleben. Leider ist hier aber Fehlanzeige: Die Kämpfer an der Seite bleiben genau so namenlos wie langweilig.

Zu viert durch die Pixelgefilde
Auch im Mehrspielermodus kann Haze leider nicht auf der ganzen Länge überzeugen. Sehr positiv ist, dass man die Singleplayer-Kampagne kooperativ entweder per Splitscreen (oder online sogar zu viert) zocken darf. Weniger gelungen sind hingegen die komperativen


Kein Erbarmen: Die ander gelben Panzerung erkennbaren MANTEL Truppen sind bestimmt keine Heiligen.

Modi. Erstens sind es nur drei, zweitens handelt es sich hauptsächlich um Deathmatch Varianten. Da Nektarjunkies auch online an die Nadel dürfen, ist das Balancing nicht unbedingt das Beste, was wir je gesehen haben. Zudem haben sich die Entwickler auf läppische sechs Karten beschränkt – im Vergleich mit anderen Multiplayer-Blockbustern ein Witz.

Das wohl grösste Problem von Haze ist aber die Grafik. Bereits beim ersten Level wird man per Lift auf das Deck eines Flugzeugträgers gefahren und erschrickt richtiggehend ab gewisser Texturen. Wieso die Optik manchmal überzeugt, bei gewissen Abschnitten aber locker Last-Gen-Niveau erreicht, ist wirklich schleierhaft. Grafik-Puristen werden mit Haze auf jeden Fall nicht glücklich, ganz egal, wie fesselnd sich die Kampagne mit der Zeit gestaltet.

(Fazit weiter unten. Besten Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters!)

Game Facts

Entwickler: Free Radical Design
Publisher: Ubisoft
Genre: Shooter
USK: 18
Pegi: 18
Multiplayer: 16 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 69,95 / CHF 99.-
Website: hazegame.uk.ubi.com

Review Haze  
 
Beschreibung
Steuerung
Nicht sehr einfach, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Deshalb bereitet nur der Einstieg kurzfristig etwas Mühe.
Grafik
Sehr widersprüchlich. Detaillierte Szenen wechseln sich ab mit grauenhaften Texturen - hier wurde geschlampt.
Sound
Geht in Ordnung, fällt aber auch nicht durch weltbewegende Effekte auf.
Spielspaß
Wird durch die Technik und Fehler im Gamedesign beeinträchtigt. Hat man sich aber erstmal dran gewöhnt, entwickelt Haze dank starker Story und actionreichem Gameplay durchaus seine Reize. Besonders für Shooterfans!

Sonstiges
+ Kampagne zu Viert spielbar
+ Packende Story
+ Interessanter Einsatz der Nektar-Droge
- sehr durchschnittliche KI
- wenig Abwechslung im Onlinespiel
- gute Ideen, die allgemein nur mittelmässig umgesetzt wurden

65%

Fazit
Hach ja, aus Haze hätte ein wirklich, wirklich guter Shooter werden können. Stattdessen muss sich das Game gegen schnell gefällte Urteile kämpfen, die dem vorhandenen Potenzial nicht immer gerecht werden. Ja, die Grafik ist zum Teil einfach schlecht. Und ja, Haze hat auch im Gameplay deutliche Schwächen – zum Beispiel monotone Spielabschnitte oder deftig lange Dialoge. Wer aber auf 3D-Shooter steht, der sollte dem Titel trotzdem eine Chance geben. Andererseits seien an dieser Stelle alle gewarnt: Haze ist garantiert kein gutes Vorbild für Gamedesign.

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